Am 26. Mai 2017 waren ich und meine Familie in der nächsten Stadt live bei der Show des berühmten Comedians Chris Tall. Ich liebe einfach seine sympathische Art und seine Witze. Ja, er ist etwas kräftig, also einfach fett, aber das Schöne ist: Er weiß das und kann darüber lachen. Wenn jemand einen Witz über ihn macht, flennt er nicht los oder schmollt ewig, sondern lacht mit und zahlt’s ihm mit gleicher Münze heim. Und genau davon sollten sich einige von uns eine dicke Scheibe abschneiden. Es gibt doch schon genug Ernst im Leben. Warum also nicht einfach mal über seine eigenen Eigenarten lachen?

 

Ich war schon Wochen vorher aufgeregt, denn ich wusste, dass er sich zwischendurch gern Leute aus dem Publikum vorknöpfte und sie veräppelte. Ob ich ihm schlagfertig antworten könnte? Würde er mich verstehen? Wie weit er wohl gehen würde? Kurz vorher bekam ich Schweißausbrüche vor lauter Aufregung und Freude. Eigentlich hatte ich ja gerade richtig Bock auf einen Schlagabtausch. Hoffentlich sah er mich.

 

Endlich ging es los! Sein Programm hieß „Selfie von Mutti“. Es ging also größtenteils um die Peinlichkeiten von Eltern, besonders der Mütter, aber auch um ihre Leistungen. Ich hatte das Programm schon im Jahr davor mal im Fernsehen gesehen und wusste ungefähr, was auf mich zukam. Live war es aber noch zehnmal besser. Chris war echt locker drauf und wir lachten uns schlapp. Er redete auch mit Leuten in der ersten Reihe. Als Pause war, hatte er mich immer noch nicht angesprochen. Scheinbar sah er mich doch nicht. Sollte ich mich jetzt freuen oder enttäuscht sein?

 

Bald ging es weiter. Nun waren Behinderte dran. Sofort schaute er mich an und ich machte mich extra groß in meinem Rollstuhl, so groß wie es eben ging (3 Millimeter Unterschied). „…So wie du da drüben. Du liegst da so. Am besten ich komm mal zu dir.“ Beim Näherkommen musterten wir uns neugierig. Auch die Kamera zoomte auf mich. Jeder im Saal sah mich also. Chris Tall fragte meine Eltern, wer ich bin, was ich hab und so. Als er fragte: "Kriegt sie alles mit?", habe ich laut und deutlich und etwas entrüstet gerufen: "Ja!". Da hat er mich überrascht angeschaut und musste selbst lachen.

 

„Und hast du Spaß?“

 

„Ja!“, nickte ich begeistert.

 

Erstmal redete er jetzt mit anderen Behinderten. Puh, geschafft! Gar nicht so schlimm! Wahrscheinlich war er bei mir doch ein kleines bisschen sprachlos.

 

Außerdem hat er später noch von einem Mann im Rollstuhl erzählt, der die Witze über sich in so einer Show zu hart und gemein fand. Chris erzählte uns, dass er sich damals vor ihn hinkniete und sich bei ihm entschuldigte. Nun drehte er sich zu mir um. „Und das mache ich jetzt auch bei Rosalie.“

 

Urplötzlich hat der Kerl vor mir gekniet und sich so dafür bedankt, dass ich gekommen bin, obwohl ich mich gegen eventuelle Witze nicht wirklich wehren kann. (Wenn ich will, kann ich mich eigentlich sehr gut wehren. Am Computer kann ich schließlich auch später noch meine Krallen ausfahren.) In dem Moment war ich jedenfalls einfach nur perplex. Äh, träumte ich gerade? Da kniete ernsthaft gerade mein Lieblings-Comedy-Star vor mir…

 

Zum Schluss hat er mir auch noch ein Shirt geschenkt, auf dem „They see me rollin'“ steht. Ja, „sie sehen mich rollen“, ich kann darüber lachen und bin stolz drauf. Außerdem hat er uns noch einen Magneten geschenkt.

Darf er das? Ja, darf er.